Umstrittene Doktorarbeit: Schavan wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe

Bildungsministerin Schavan verteidigt sich im Streit um ihre Dissertation: “Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise ich entschieden zurück.” Der offizielle Uni-Prüfer hingegen erkennt in ihrer Doktorarbeit nach SPIEGEL-Informationen den Charakter einer “plagiierenden Vorgehensweise”.

Lange hat sie geschwiegen und wollte warten, bis die Uni ihre Doktorarbeit geprüft hat. Jetzt berichtet der SPIEGEL über die Einschätzung des offiziellen Uni-Gutachters – eine vertraulich gestempelte Analyse – und Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, kann nicht länger schweigen. Sie will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und macht zugleich deutlich, dass sie nicht spurlos an ihr vorübergehen.

Der Gutachter wirft ihr Täuschung vor. An etlichen Stellen der Dissertation von Annette Schavan erkennt er “das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise”. In dem 75-seitigen Papier zieht er das Fazit: “Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.”

Jetzt wehrt sich die Ministerin: “Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise ich entschieden zurück”, sagte sie. Die “Süddeutsche Zeitung” zitiert sie außerdem so: “Es trifft mich. Es trifft mich im Kern. Es trifft den Kern von dem, was mir wichtig ist.” Sie beteuert, bei ihrer Dissertation sorgfältig gearbeitet zu haben. Aber: “Hier und da hätte man auch noch sorgfältiger formulieren können. Heute merke ich zum Beispiel, dass ich damals bei Freud noch ziemlich verdruckst war.” Damit spielt sie auf ihre unsaubere Arbeitsweise beim Zitieren von Sigmund Freud an, auf die zuvor schon ein anonymer Plagiatsjäger aufmerksam gemacht hatte.


Zuvor hatte sie bereits dem SPIEGEL mitteilen lassen: “Die erhobenen Vorwürfe treffen mich tief und schmerzen mich sehr; soweit die Fakultät mir Gelegenheit dazu gibt, werde ich nach sorgfältiger Prüfung dazu Stellung nehmen.”

Das Uni-Gutachten hat der Professor für Jüdische Studien, Stefan Rohrbacher, verfasst, der zugleich dem mit dem Prüfungsverfahren befassten Promotionsausschuss vorsteht. Der Wissenschaftler nahm seine Untersuchung laut Gutachten “auf der Grundlage der Originaltexte in Autopsie” vor. Er beanstandet Textstellen auf 60 der 351 Seiten.

Sein Gutachten ist die Grundlage für Beratungen des Promotionsausschusses, die für Mittwoch vorgesehen sind. Neben Rohrbacher sitzen im Ausschuss drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Sie geben eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab, der dann über eine Aberkennung des Doktortitels zu entscheiden hat.

Schavans Dissertation trägt den Titel “Person und Gewissen”. Vor einigen Monaten hatte ein Plagiatsjäger, der sich “Robert Schmidt” nennt, im Internet eine Sammlung von verdächtigen Stellen veröffentlicht. Anschließend nahm die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf ihre Prüfung auf.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsaffaere-schavan-wehrt-sich-gegen-taeuschungsvorwurf-a-861212.html

This entry was posted in Hochschule and tagged , , . Bookmark the permalink.